{"id":1718,"date":"2023-01-23T15:50:25","date_gmt":"2023-01-23T14:50:25","guid":{"rendered":"http:\/\/andreastheobald.com\/?p=1718"},"modified":"2023-01-23T20:37:14","modified_gmt":"2023-01-23T19:37:14","slug":"auf-wanderschaft-teil-3-new-york","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andreastheobald.com\/en\/auf-wanderschaft-teil-3-new-york","title":{"rendered":"Auf Wanderschaft (Teil 3: New York)"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"1718\" class=\"elementor elementor-1718\">\n\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-3cf2097 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"3cf2097\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-2b1adea\" data-id=\"2b1adea\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-4a673f8 elementor-widget elementor-widget-wp-widget-text\" data-id=\"4a673f8\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"wp-widget-text.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"textwidget\"><p class=\"p1\">Es gibt wohl kaum eine Stadt, die so mit Klischees beladen ist, wie New York. Es ist sp\u00e4testens mit den gro\u00dfen Auswanderungswellen aus Europa im 19. Jahrhundert zu einem Sehnsuchtsort, einem Portal in die neue Welt geworden. Die Stadt, die seit hundert Jahren mit ihren Wolkenkratzern nach dem G\u00f6ttlichen strebt. Ein h\u00f6chstes Geb\u00e4ude l\u00e4sst das letzte vergessen, ein gegl\u00fcckter Traum millionen Zerronnene. Mir sei die Pathetik gestattet, das macht diese Stadt irgendwie mit einem.<\/p>\n<p class=\"p1\">Mein ganz pers\u00f6nliches New York Trauma beginnt mit einer Tour des Jugend Jazz Orchester NRW, auf die ich, wegen einer Verz\u00f6gerung im Visaprozess, als einziger verzichten musste. Das f\u00fchrte damals dazu, dass ich erstmal keine Lust hatte in dieses Land zu reisen. Nun sind wir aber im Landeanflug und es l\u00e4sst sich bereits die bekannte Skyline erahnen. Mein Nachbar, von dem ich in den letzten sechs Stunden nur Schmatzen und Schnarchen geh\u00f6rt habe, dreht sich zu mir um: &#8220;Is it your first time in New York? &#8230;Oh, that must be so nice for you.&#8221;<\/p>\n<p><b>Schlechte Vorbereitung auf allen Seiten<\/b><\/p>\n<p>Es ist Montagabend und ich glaube einen Pflichttermin zu haben. Auf dem Weg in der Subway rezitiert ein Obdachloser laut aus dem Buch der Richter. Schon lange bevor ich die ber\u00fchmte rote Markise erblicke, sehe ich eine lange Warteschlange bis um die Ecke zum Village Vanguard stehen. Seit jeher (1966) spielt dort die gleichnamige Big Band ihre w\u00f6chentlichen Konzerte und, abgesehen vom kostenlosen &#8220;Winterjazz-Festival&#8221; in K\u00f6ln, ist es das erste Mal, dass ich in einer langen Schlange vor einem Jazzkonzert warten muss. Obwohl ich bereit bin 40 Dollar plus Mindestverzehr pro Person, pro Set zu zahlen, komme ich nicht rein, es ist seit l\u00e4ngerem ausverkauft. Gl\u00fccklicherweise gibt es wenige Blocks weiter das &#8220;Smalls&#8221;, in dem an diesem Abend tats\u00e4chlich zuf\u00e4lligerweise George Coleman spielt. Doch schon lange bevor ich den kleinen Eingang zur Kellertreppe erblicke, sehe ich eine lange Warteschlange. Obwohl ich bereit bin 40 Dollar plus Mindestverzehr pro Person, pro Set zu zahlen, komme ich nicht rein, es ist seit l\u00e4ngerem ausverkauft. Gl\u00fccklicherweise gibt es direkt auf der anderen Seite der 7th Avenue noch den kleineren Ableger des &#8220;Smalls&#8221;, das &#8220;Mezzrow&#8221;, es ist nicht ausverkauft und kostet nur 25 Dollar plus Mindestverzehr pro Person, pro Set. An diesem Abend spielt ein Klaviertrio mit mir bis dato unbekannten Musikern.<\/p>\n<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-e557cc0 elementor-widget elementor-widget-image\" data-id=\"e557cc0\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"image.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<figure class=\"wp-caption\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"519\" src=\"https:\/\/andreastheobald.com\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/vanguard-1024x590.jpg\" class=\"attachment-large size-large wp-image-1781\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/andreastheobald.com\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/vanguard-1024x590.jpg 1024w, https:\/\/andreastheobald.com\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/vanguard-300x173.jpg 300w, https:\/\/andreastheobald.com\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/vanguard-768x443.jpg 768w, https:\/\/andreastheobald.com\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/vanguard-1536x886.jpg 1536w, https:\/\/andreastheobald.com\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/vanguard-2048x1181.jpg 2048w, https:\/\/andreastheobald.com\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/vanguard-520x300.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\">\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<figcaption class=\"widget-image-caption wp-caption-text\"><\/figcaption>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/figure>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-81405aa elementor-widget elementor-widget-wp-widget-text\" data-id=\"81405aa\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"wp-widget-text.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"textwidget\"><p class=\"p1\"><span style=\"font-size: 10pt\">Das ist leider alles, was ich von der Village Vanguard Big Band zu sehen bekomme.\u00a0<\/span><\/p>\n<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-af17292 elementor-widget elementor-widget-wp-widget-text\" data-id=\"af17292\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"wp-widget-text.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"textwidget\"><p>W\u00e4hrend ich mich setze spielen sie &#8220;You and the night and the music&#8221;, es ist ungew\u00f6hnlich laut, aber es swingt. Kaum ist das St\u00fcck vorbei, beginnt der Pianist mit dem Intro zu einer Eigenkomposition. Etwas hektisch kramt der Bassist in seiner Mappe und bekommt dabei schlie\u00dflich vom Drummer Hilfe. &#8220;What is the name of the piece?&#8221; &#8211; &#8220;It must be in there!&#8221; &#8211; &#8220;It&#8217;s not&#8221;. Zum Gl\u00fcck kann der Drummer das St\u00fcck ohne Noten spielen und daf\u00fcr, dass der Bassist die Noten wohl zum ersten Mal sieht, schl\u00e4gt er sich erstaunlich gut. Die ganze Situation wiederholt sich in \u00e4hnlicher Form bei den n\u00e4chsten St\u00fccken. Mehrfach beginnt der Pianist schon das Intro und muss dann wieder abbrechen. Die vermutete Freundin des Pianisten streamt das Spektakel mit ihrem Handy als Facebook-Live Video. Das Publikum klatscht wie verr\u00fcckt in den verr\u00fccktesten Momenten, f\u00fcr die eine oder den anderen wohl das erste Jazzkonzert.<\/p>\n<p><b>Die tote Stadt<\/b><\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag versuche ich noch f\u00fcr den n\u00e4chsten Montag im Village Vanguard zu reservieren und f\u00fchle mich sehr naiv, als ich sehe, dass es ebenso ausverkauft ist. Einerseits freue ich mich unheimlich Jazz als etwas Nachgefragtes zu erleben. Andererseits erinnern mich die Konzerte zu sehr an \u00fcberteuerte Touristenshows:\u00a0 Tango-Shows in Buenos Aires, Flamenco-Show in Sevilla und eben Jazz-Show in New York. Sowieso wirkt Manhattan etwas morbide. In der Stadt, die niemals schl\u00e4ft machen in vielen ehemals legend\u00e4ren Vierteln viele Bars und Restaurants schon um 22 oder sogar 2o Uhr zu. Die Gentrifizierung ist auf ein Level fortgeschritten, dass ich noch garnicht kannte. Kleinere Kaffeer\u00f6stereien und Speciality Caf\u00e9s sind so stark gewachsen, dass sie von Ketten wie Starbucks in jeglicher Hinsicht kaum zu unterscheiden sind. Viele Luxus-Wohnt\u00fcrme stehen wohl halb leer und es ist unheimlich still, wenn man nachts durch Viertel wie Soho l\u00e4uft.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Versuch zu einem Jazzkonzert zu gehen f\u00fchrt mich zum &#8220;Jordan Young Trio&#8221; im &#8220;Smalls&#8221;. Den Organist des Orgeltrios erkenne ich vom neuesten Jochen R\u00fcckert Album wieder und bereue unsere Wahl des Abendprogramms keine Sekunde. Brian Charette&#8217;s Orgelsetup ist ein Statement gegen jeden Orgel-Gear-Maniac. Statt &#8220;echter&#8221; Hammondorgel und Leslieverst\u00e4rker, spielt er \u00fcber eine Orgelemulation mit nur einem Manual (Hammond SK1), sowie \u00fcber einen Bassamp. Seine Linien sind unheimlich kreativ, virtuos und er bleibt die ganze Zeit in einer ekstatisch anmutenden Enstpannung. Es groovt und swingt und macht einfach gute Laune. Wie kann ich also anders, als ihm zu folgen?<\/p>\n<p><strong>Exodus<\/strong><\/p>\n<p>Auf der Internetseite von Brian Charette sehe ich, dass er morgen wieder spielt. Dieses Mal aber in Brooklyn, im &#8220;Ornithology&#8221;. Auf dem Weg in der Subway l\u00e4uft ein Mann singend durch den Wagon. Alle versuchen ihn zu ignorieren, aber er singt unfassbar gut und strahlt eine unheimliche Freude aus, sodass ich nicht weggucken kann und lachen muss. Statt Almosen zu verlangen w\u00fcnscht er mir einen wundersch\u00f6nen Abend. Der Laden liegt im Schatten der Hochbahn und auf der Stra\u00dfe herrscht eine ganz andere Stimmung. Ohne Eintritt gehen wir in den Club, der eher eine Bar ist. Und inmitten von j\u00fcngeren Leuten h\u00f6re ich zwei unfassbare Sets von Brian, Matt Chertkoff und Jochen R\u00fcckert. Durch den kostenfreien Eintritt leisten wir uns Cocktails und die im Konzert pr\u00e4sentierte CD &#8220;Jackpot&#8221; von Brian.<\/p>\n<p>Es hat ein bisschen gebraucht bis ich meinen Frieden mit New York geschlossen habe. Ich habe mich selbst \u00fcber meine Naivit\u00e4t gewundert und daraus gelernt. Wir sind in der Subway, auf dem Weg zur\u00fcck von einem gro\u00dfartigen letzten Abend und ich denke an viele tolle Erlebnisse. Ein Friseur usbekischer Abstammung hat mir seine Lebensgeschichte erz\u00e4hlt, ich war auf einem Herbie Hancock Konzert im Central Park, habe entfernte Verwandte kennengelernt und es war zwischendurch sogar mal sch\u00f6n auf einem Touriboot ein Bier zu trinken. Die Stadt ist nach wie vor ein Anziehungspunkt f\u00fcr talentierte, inspirierte Menschen aus der ganzen Welt, allerdings eher au\u00dferhalb des Zentrums: In Brooklyn, Williamsburg, Harlem&#8230; Meine Lehre dieser Reise ist es sich besser vorzubereiten, keine falschen Erwartungen zu sch\u00fcren und den Blick f\u00fcr die kleinen Momente offen zu halten.<\/p>\n<p>Auf der gegen\u00fcberliegenden Seite des Wagons f\u00e4llt mir eine Frau auf. Zwischen den unendlich vielen Menschen in der U-Bahn und hinter der FFP2-Maske fast nicht zu erkennen, weint sie leise, alleine vor sich hin. Was war wohl ihr Traum?<\/p>\n<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-a8d0451 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"a8d0451\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-8096e61\" data-id=\"8096e61\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-fbae618 elementor-widget elementor-widget-video\" data-id=\"fbae618\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-settings=\"{&quot;youtube_url&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.youtube.com\\\/watch?v=9mHWIxtTUmE&quot;,&quot;video_type&quot;:&quot;youtube&quot;,&quot;controls&quot;:&quot;yes&quot;}\" data-widget_type=\"video.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-wrapper elementor-open-inline\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-video\"><\/div>\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt wohl kaum eine Stadt, die so mit Klischees beladen ist, wie die Stadt am Hudson River. 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